Alexis Helmer

Am 3. Mai 1915 saß ein kanadischer Offizier in Ypern auf dem Heck einer Ambulanz. Er schaut auf das Grab seines Freundes und Waffenbruders Alexis Helmer, der am Vortag im Kampf gefallen war. Er sieht Beete blutroter Mohnblumen, die zwischen den Gräbern auf dem Gräberfeld wachsen. Er schreibt die ersten Worte eines inzwischen berühmten Gedichts nieder: “In Flanders fields the poppies blow

Wie eine Blume zum Symbol wurde

In Flanders Fields Poppies (c)milo-profi photography
Der Dichter war Lieutenant Colonel John McCrae. Er arbeitete mehrere Monate an dem Gedicht, bevor er es an The Spectator in London einsandte, der die Veröffentlichung ablehnte. Später wurde es in dem britischen satirischen Wochenmagazin Punch veröffentlicht, wenn auch zunächst anonym. „In Flanders Fields“ wurde zum populärsten Gedicht der damaligen Zeit, aber McCrae hat es nicht mehr erlebt wie sein Gedicht zu einem internationalen Symbol des Erinnerns wurde.

Er starb am 28. Januar 1918 an Meningitis. Er wurde auf dem britischen Soldatenfriedhof in Wimereux, Frankreich, in der Nähe von Boulogne-sur-Mer begraben. New York, 9. November 1918. Professorin Moina Michael, die in New York für den YMCA tätig ist, unterbricht kurz ihre Arbeit und greift zu einer Zeitschrift. Darin ließen sie das Gedicht von John McCrae. Sie ist tiefbewegt, besonders von der letzten Zeile – „We shall not sleep, though poppies grow in Flanders fields".

Sie hat das Gefühl, dass die gefallenen Soldaten, vor deren Vergessen das Gedicht warnt, direkt zu ihr sprechen. In diesem Augenblick schwört sie, dass sie als Zeichen des Gedenkens immer eine Mohnblüte tragen wird. Sie verfasst sogar ein Gedicht, in dem sie auf den Aufruf in der letzten Zeile von McCrae antwortet. Moina Michael lässt ihren Worten Taten folgen und setzt sich fortan dafür ein, dass die Mohnblume als Symbol des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg akzeptiert wird - mit Erfolg.

Eine Blume auf einem Schutthaufen

John McCrae
John McCraes Gedicht ist nicht die einzige Verbindung zwischen der Mohnblume und den Krieg. Mohnblumen wachsen auf Schutt und an Stellen, wo der Boden häufig bewegt wurde. Die Schlachtfelder Flanderns sind ein einziger großer Haufen kriegsgebeutelten Bodens, der von Tausenden von Granaten zerfetzt wurde. Dadurch konnten die Samen keimen. Die Fülle der roten Mohnblumen auf den Schlachtfeldern Flanderns - häufig der einzige Farbfleck in einer traurigen Landschaft von Ruinen, Schlamm- und Bombenkratern- hat mit dem Krieg zu tun.

Die Mohnblume wird außerdem auf Niederländisch slaapbol (schlafender Ball) genannt, weil sie mit dem Schlafmohn verwandt ist, der für die Herstellung von Morphium verwundet wird, das den verwundeten Soldaten verabreicht wurde. Mit ihrer tiefroten Farbe wie das reichlich vergossene Blut der Soldaten und einem schwarzen Herzen wie eine Schusswunde ist die Mohnblume ein perfektes, wenn auch nicht offensichtliches Symbol des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg.

‘In Flanders Fields’

Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn
Zwischen den Kreuzen, Reihe um Reihe,
Die unseren Platz markieren; und am Himmel
Fliegen die Lerchen noch immer tapfer singend
Unten zwischen den Kanonen kaum gehört.

Wir sind die Toten. Vor wenigen Tagen noch
Lebten wir, fühlten den Morgen und sahen den leuchtenden Sonnenuntergang,
Liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir
Auf Flanderns Feldern.

Nehmt auf unseren Streit mit dem Feind:
Aus sinkender Hand werfen wir Euch
Die Fackel zu, die Eure sei, sie hoch zu halten.
Brecht Ihr den Bund mit uns, die wir sterben
So werden wir nicht schlafen, obgleich Mohn wächst
Auf Flanderns Feldern.
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