De graanoogst - Pieter Bruegel de Oude

Wenn Sie eine beliebige Person in Flandern auffordern, Ihnen drei Künstler zu nennen, die die Wände unserer Ruhmeshalle der Maler verziert haben, so wird der Name „Pieter Bruegel“ immer wieder genannt werden.

Flämischer Primitiver, universelles Paradigma: Die Gemälde von Pieter Bruegel

Nederlandse Spreekwoorden - Michel van Dam

Wenn sie ihnen Bilder der Bauernhochzeit, der sieben Todsünden, des Turms von Babel oder der Jäger im Schnee von Bruegel zeigen, werden sie Ihnen ohne zu zögern sagen, „Ja, das ist von Bruegel“.

Mit einem Werk, das vom lokalen Bier und Folkfestival bis zu international gefeierten Filmen und Gedichten (und sogar die Rolling Stones) alles inspiriert hat, hat Pieter Bruegel längst unser kollektives Bewusstsein verlassen und ist zum Weltkunsterbe geworden.

Bruegel 101

Pieter Bruegel der Ältere (ca. 1520-1569) ist ein Vertreter der flämischen Renaissance und wegen seiner eigenwilligen Landschaften und Allegorien, die in der Folklore und in der biblischen oder klassischen Tradition wurzeln, berühmt. Bruegel, über dessen frühe Jahre nichts bekannt ist, rückte ins Rampenlicht, nachdem er sich in Antwerpen niedergelassen hatte, damals eine Brutstätte der Wiederbelebung der europäischen Wissenschaft und Kunst. Hier wurde er zum Maler und Grafiker ausgebildet, bevor er in die Lukasgilde eintrat, eine Vereinigung von Künstlern, deren illustres Mitgliederverzeichnis sich wie ein echtes „Who is who“ der flämischen Malerei liest und zu denen Peter Paul Rubens, Hans Memling und die beiden Söhne von Bruegel, Pieter Brueghel der Jüngere und Jan Brueghel zählten.

The Parable of the Blind - Pieter Bruegel the Elder - © Public Domain

Die Sammlungen des Museums Mayer van den Berg und des Königlichen Museums der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) umfassen zahlreiche Bruegels und Brueghels (nur 45 der ursprünglichen Gemälde des Vaters sind weltweit erhalten) und zeigen häufig weniger bekannte Skizzen oder Bilder von privaten Sammlern. Zu den lokalen Höhepunkten gehören die infernalische Tolle Grete und die gemütliche Bauernhochzeit, eine bäuerliche Szene, deren Signaturstil und Thema seither zum Synonym für „Bauernbruegel“ geworden ist, ein Spitzname, der auf die einzigartige Affinität des Malers für das bäuerliche Leben des 16. Jahrhunderts und dessen bezaubernde Beschreibung durch den Künstler verweist.


Nach einem kurzen Aufenthalt in Italien zog Bruegel schließlich nach Brüssel, wo er am laufenden Band Meisterwerke in seinem unverkennbaren Stil produzierte: kraftvoll authentisch und doch hoch symbolisch und tief in die lokale Tradition eingebettet, aber stets von universeller Bedeutung und Reichweite, durchweg populär, trotz Bruegels nicht ganz ernstgemeinter Bildsprache, die häufig an Hieronymus Bosch erinnert. „Winterlandschaft mit Eisläufern und einer Vogelfalle“ und der brillante „Sturz des Ikarus“ im Museum der Schönen Künste in Brüssel sind dafür perfekte Beispiele, die einen genaueren Blick lohnen. Beide Gemälde lassen jedes auf seine Art den unmittelbar bevorstehenden Ausbruch des 80-jährigen Krieges ahnen, der die Niederlande auseinanderriss und die Gesellschaft, die Bruegel so aufmerksam beobachtet hatte, für immer veränderte.

Winter landscape with skaters and bird-traps - © Public Domain

Bruegel-Land erforschen

Pieter Bruegel de Oude - ca. 1565 (self portrait)

Das Antwerpener Museum der Schönen Künste (KMSKA) könnte wegen Renovierungsarbeiten bis 2018 geschlossen bleiben, Bruegel-Liebhaber brauchen nicht zu verzweifeln. In Zusammenarbeit mit dem kommunalen Museum in Lier haben die Kuratoren des KMSKA jährlich rotierende Themenausstellungen mit dem Titel „Bruegel-Land“ zusammengestellt, die das Beste von Bruegel in unterschiedlichen Kontexten zeigen. Voorland, Kurator der Ausgabe 2014-2015 mit dem Titel „Weiter Horizont, 21. Jahrhundert“, lässt Bruegel den Älteren gegen zahlreiche zeitgenössische Künstler und Performer antreten und untersucht dabei das bleibende Vermächtnis des Künstlers und seine bahnbrechende Perspektive. Bis März 2015 werden die Besucher zu Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten, Workshops und zahlreichen Tie-ins eingeladen, die 50 klassische Gemälde aus der Sammlung des KMSKA umfassen. Ein Muss für Bruegel- Liebhaber und alle, die sich für Kunstwerke interessieren, die so frisch und fesselnd geblieben sind wie an dem Tag vor rund 500 Jahren, an dem sie gemalt worden.

Klicken Sie hier, wenn Sie mehr über die Ausstellung lesen wollen. Probieren Sie ebenfalls das Königliche Museum der Schönen Künste und das Museum Mayer Van den Bergh aus.

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