Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

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Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Brugge

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Brügge

Groeningemuseum (c) Jan D'Hondt

1. Groeningemuseum

Hier hängt er: Philipp der Gute*** im Porträt nach dem Original von Rogier van der Weyden aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Burgunderherzog Philipp war der Versöhner der Niederen Lande, der das Geschachere um das Gebiet gewann, weil er geschickt einsetzte, was sein Großvater Philipp der Kühne aus dem Feuer gerettet hatte. Philipp der Gute nutzte die neue Einheit, gründete – wie auf diesem Porträt zu sehen – den berühmten Orden vom Goldenen Vlies und nahm Jan van Eyck als Hofmaler in seinen Dienst. Einige der berühmtesten Meisterwerke von Jan van Eyck sind heute im Groeningemuseum ausgestellt. Selbst wir, die nach Jahrhunderten der realistischen Kunst anderes gewohnt sind, blicken voller Begeisterung auf den technischen Feinsinn Van Eycks. Ist es nicht unglaublich, dass Ärzte in der Darstellung der Madonna des Kanonikus Georg van der Paele (1436) bei dem Geistlichen eine Gefäßverkalkung erkennen konnten? 

Bruges Gerard David, The judgment of Cambyses (c) Groeningemuseum Bruges

Anschließend lohnt ein Blick auf ein Meisterwerk von Hugo van der Goes, der oft im Auftrag von Karl dem Kühnen arbeitete. Der Marientod (1470-1472) nach der Darstellung in den apokryphen Evangelien entstammt dem Spätwerk von Van der Goes, wobei umstritten ist, ob das Werk nicht doch früher entstand. In blauem Gewand, mit weißer Haube und bleichem Antlitz liegt die Mutter Gottes auf einem Bett, umgeben von tief berührten Aposteln. Ohne Glanz und Gloria, in Trauer über den Untergang von einst Großem, erscheint Maria in auffällig matten Farben. Möchte man bei Van Eyck innerlich jauchzen vor Bewunderung, regt Van der Goes’ Gemälde an zum stillen Innehalten. Vorerst jedoch ist Geduld gefragt, denn das Gemälde ist wegen umfassender Restaurationsarbeiten erst 2022 wieder zu sehen.

Bis dahin beeindruckt in diesem so eindrucksvollen flämischen Kunstmuseum ein weiteres Meisterwerk aus dem 15. Jahrhundert. 1484, zwei Jahre nach dem Tod Marias von Burgund, schuf Hans Memling das Moreel-Triptychon, benannt nach seinem Auftraggeber Willem Moreel, einem prominenten Politiker und Großgrundbesitzer aus Brügge. Dessen Darstellung auf dem linken Flügel ist ein herrliches Exempel der Porträtkunst. Bewundernswert auch die Gesichter der anderen Figuren, der drei Heiligen auf der Mitteltafel oder von Moreels Ehefrau Barbara van Vlaenderbergh auf dem rechten Flügel. Zum Schluss führt der Gang vorbei am wundersamen Diptychon Das Urteil des Cambyses von Gerard David, das die Enthäutung eines bestechlichen Richters bei lebendigem Leib zeigt. Dieses faszinierende Werk von 1498 ist ein guter Abschluss der Reise durch die Kunst des 15. Jahrhunderts. 

*** Ab dem 19. Juli wieder in Brügge zu sehen (bis dahin zu besichtigen in der Van-Eyck-Ausstellung in Gent, die wegen der Corona-Krise eventuell verlängert wird).

© BVL

Dijver 12, Brügge
Mo. geschlossen, Di. 9.30 bis 17 Uhr
Kostenpflichtig
www.museabrugge.be/de

Brugge

2. Grote Markt (Belfried und Craenenburg)

Dank Innovationen in der Tuchindustrie (mit Gent als wichtigstem Zentrum) und dem blühenden Handel (mit Brügge als pulsierendem Herzen) stieg die Grafschaft Flandern im 13. Jahrhundert zum Silicon Valley seiner Zeit auf. Die Bewohner Brügges schämten sich nicht für ihren Reichtum. Um 1240 trumpfte die Stadt mit einem eindrucksvollen Belfried auf, der über den Dächern der Markthallen emporragte. In diesem verstärkten Wachturm hing die Sturmglocke, die bei Notstand und zu Festlichkeiten läutete. Außerdem war der Turm Aufbewahrungsort für Urkunden. Monumentale Bauwerke dieser Art wurden von den Stadträten in Auftrag gegeben. Diese Räte bestanden vornehmlich aus begüterten Patriziern, Händlern und Unternehmern. Allmählich entzogen sich die Städte auf diese Weise dem Einfluss von Grafen und Königen. Bis heute ist der Belfried Zeugnis der spätmittelalterlichen Blüte flämischer Städte.

Brugge

Auf dem Grote Markt (dem Großen Marktplatz) erinnert ein weiteres Gebäude an die stolzen Stadtbewohner von einst: das Haus Craenenburg. Kaum zu glauben, aber wahr: Im Jahr 1488 nahmen die tapferen Einwohner Brügges ihren Landvogt Maximilian von Österreich – der sechs Jahre zuvor den schmerzlichen Verlust seiner Gattin Maria von Burgund erlitten hatte – einfach gefangen und sperrten ihn in der Craenenburg ein. Eine spannende Episode, die die Gegend in einen Bürgerkrieg stürzen sollte, aus dem Maximilian triumphierend hervorgehen würde. Im gleichnamigen Restaurant Craenenburg, mit bis heute erhaltenen Dachbalken und dem ursprünglichen Kellergewölbe, genießen Touristen das traditionelle flämische Schmorfleisch, zubereitet in einer Biersoße aus Bourgogne des Flandres. 

© BVL

Grote Markt Brügge
Belfried Mo-So. 9.30 bis 18 Uhr, kostenpflichtig
www.visitbruges.be/de

Stadhuis - Bruges (c) Sarah Bauwens

3. Rathaus

Im Januar 1464 kamen hier, im Rathaus von Brügge, erstmals die Generalstaaten (Staten-Generaal) der Niederlande zusammen. Hier trafen sich Herzog Philipp der Gute und die Abgeordneten der drei Stände, um zu klären, wie die Niederen Lande in Abwesenheit des Herzogs regiert werden sollten. Philipp wollte nämlich in den Kreuzzug ziehen, um das 1453 in die Hände der Muslime gefallene Konstantinopel von den „Ketzern“ zu befreien. 

Die Zusammenkunft war ein wichtiges symbolisches Ereignis, war sie doch Ausdruck der Bemühungen, die die Herzöge in den Jahrhunderten davor auf sich genommen hatten, um einen möglichst großen Teil der Niederen Lande unter ihre Kontrolle zu bringen. Dass dies gelang, verdankten sie zum einen diplomatischem und militärischem Geschick, zum anderem aber schlicht dem Zufall und einigem Glück. Denn es hätte auch anders kommen können, was aber wohl für die meisten historischen Entwicklungen gilt. Festzuhalten ist aber, dass es im Laufe des 15. Jahrhunderts durch Zutun der Herzöge von Burgund zu einer staatlichen Vereinigung Frankreichs mit dem Heiligen Römischen Reich kam, aus der die Niederen Lande hervorgingen. 

Als die Abgeordneten im kalten Winter des Jahres 1464 in Brügge eintrafen, blickten sie – wie wir heute – auf das 1400 errichtete prunkvolle Rathaus von Brügge. Nur glänzten die Nischenskulpturen an der Fassade damals wohl noch in ihrer ursprünglichen Farbpracht. Die Polychromie der Bildnisse stammt aus der Hand von niemand Geringerem als Jan van Eyck. 

Sehenswert ist auch der sogenannte „gotische Saal“ des Gebäudes, der – anders als sein Name vermuten lässt – erst nach einem Brand Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Eintrittskarten dafür sind im Erdgeschoss des Rathauses zu erwerben. Die Wände des Saals zieren Malereien, die unter anderem Philipp den Guten als Begründer des Ordens vom Goldenen Vlies und Jan van Eyck bei der Arbeit in seinem Atelier zeigen. 

© BVL 

Burg 12, Brügge
Täglich 9.30 bis 17 Uhr
Kostenpflichtig
www.visitbruges.be/de

Bladelin @ StadBrugge

4. Hof Bladelin

Ein gewisser Pieter de Leestmaker, auch Bladelin genannt, konnte in den Jahren 1436 bis 1438 Eindruck bei Herzog Philipp dem Guten machen. Der Kaufmannssohn, der sich zum Finanzexperten weitergebildet hatte, bemühte sich hingebungsvoll um die Lösung eines außer Kontrolle geratenen Streits zwischen der Stadt Brügge und dem Herzog. Das gefiel Philipp, der Bladelin kurzerhand zum ersten Generalgouverneur für Finanzen ernannte. Diese Funktion brachte Bladelin einigen Reichtum. So ließ er um 1440 einen luxuriösen Palast erbauen, der bis heute in der Naaldenstraat in Brügge zu bewundern ist. Später, im Jahr 1472, sollte Tommaso Portinari, der italienische Finanzier von Karl dem Kühnen, sich hier niederlassen. 

Wer das Glück hat, den Innengarten betreten zu dürfen, spürt förmlich den Geist dieser historischen Figuren, die das Brügge des 15. Jahrhunderts prägten und hier oft, im Traum versunken, geweilt haben müssen. Bladelin, dem es so sehr danach verlangte, eine neue Stadt zu gründen (und das auch tat: das flämische Middelburg), und Portinari, der wie Joos Vijd von der Ewigkeit träumte. Vijds Träume fanden Ausdruck in der vom ihm gestifteten Anbetung des Lamm Gottes, Portinari beauftragte Van der Goes mit der Anfertigung eines Triptychons, das heute nach ihm benannt ist – und den Italiener wunschgemäß in die Ewigkeit hat eingehen lassen. Mit Blick nach oben auf den gotischen Turm lassen sich die gen Himmel reichenden Ambitionen dieser Männer erahnen. Bemerkenswert auch die steinernen Medaillonporträts von Portinaris Arbeitgeber Lorenzo de’ Medici und seiner Gattin, von manchen als die ersten Renaissancekunstwerke aus Brügge betrachtet. Wem der Blick von innen heraus vergönnt ist, kann die Wappenschilde von Philipp dem Guten und Isabella von Portugal sichten. 

© BVL 

Naaldenstraat 19, Brügge
Für Besucher nicht zugänglich
www.visitbruges.be/de

Brouwerij (c) Bourgogne des Flandres

5. Brauerei Bourgogne des Flandres

Pierre-Jacques van Houtryve erhielt 1825 die Zulassung zum Bierbrauen in Brügge. Das war die Geburtsstunde der Brauerei Den Os. 1911 dann kam das Aushängeschild der Brauerei heraus: ein flämisches Braunbier namens Bourgogne des Flandres. Mit dem Aufstieg der Pilsbiere aus Deutschland erwies es sich allerdings als schwierig, allein mit dem Verkauf von Spezialbieren zu überleben. Die Brauerei musste schließen. Doch die Familie bewahrte das Rezept sicher auf, und 1985 erteilte Michel van Houtryve der Brauerei Timmermans in Itterbeek die Zustimmung, das Bourgogne des Flandres aus seinem Schönheitsschlaf zu erwecken. Erst 2015 aber eröffnete, nur knapp 50 Meter entfernt von der alten Brauerei, eine neue Mikrobrauerei in der Kartuizerinnenstraat. Seitdem ist das Bourgogne des Flandres wieder in Brügge zu Hause. Der Name des Biers ist treffend gewählt: Er verweist auf das burgundische Zeitalter, die wichtige Rolle Brügges und die Bedeutung des Französischen im niederländischsprachigen Flandern der Herzöge. 

© BVL / MEER

Kartuizerinnenstraat 6, Brügge
Di.-So. 10.30 bis 18 Uhr
Kostenpflichtig
www.bourgognedesflandres.be/de

Gruuthuse Bruges © Stad Brugge-(c) cel fotografie Stad Brugge

6. Gruuthusemuseum

Ludwig von Gruuthuse begann seine Karriere als Schildknappe und Weinschenk Philipps des Guten. Mit der Zeit sollte er zu einem Vertrauten des Herzogs werden. Als Ritter kämpfte er 1453 in der Schlacht von Gavere an der Seite des Herzogs siegreich gegen die Genter. Als Statthalter von Holland war er zudem einer der wichtigsten Ratsherren von Philipps Nachfolger Karl dem Kühnen und später von dessen Tochter Maria. Kurzum: Gruuthuse zählt zu den wichtigsten Figuren der Burgunderzeit. 

Er entstammte einer Familie, die ihr Glück mit dem Handel mit gruut (Grut), lange Zeit essenzielle Zutat für Bier, gemacht hatte. So konnte sich Gruuthuses Großvater Anfang des 15. Jahrhunderts in Brügge ein huse (Haus) bauen, ein Stadtpalais auf dem Brügger Dijver, das bis heute bewundernde Blicke bei Touristen hervorruft. Ludwig sollte später vom Vermögen seiner Familie eine Betkapelle erbauen lassen, die das Palais mit der Liebfrauenkirche verband. Er investierte jedoch vor allem in den Aufbau einer beeindruckenden Manuskriptsammlung. Ihr vor allem verdankt er seine posthume Bekanntheit. Die Sammlung umfasst unter anderem das berühmte Egidius-Gedicht. Kaum vorstellbar, dass uns dieses Kunstwerk ohne den flämischen Hang zum Bier und den burgundischen Drang nach Schönheit vielleicht für immer verborgen geblieben wäre. 

In diesem frisch renovierten Palais, das heute ein Museum beherbergt, erwacht die gesamte Geschichte Brügges zum Leben. Der Rundgang beginnt im reichen burgundischen Zeitalter und lässt den Besucher eintauchen in die Handschriften aus dieser Zeit. Im Ehrensaal grüßt Ludwig, der Hausherr, von einem ergreifenden Porträt herab. In der Betkapelle von 1472 fühlt man sich wie im Nu zurückversetzt in die Zeit der Herzöge und ihrer Städte. 

© BVL 

Dijver 17, Brügge
Di.-So. 9.30 bis 17 Uhr
Kostenpflichtig
www.museabrugge.be/de

Sint-Salvatorskathedraal (c) Jan D'Hondt

7. St.-Salvator-Kathedrale

Bei Betrachtung des Werks der großen flämischen Meister des Mittelalters wird der Unterschied zwischen Handwerk und Kunst offensichtlich, zumindest aus Perspektive des 21. Jahrhunderts. Die zeittypischen schmückenden Arbeiten erscheinen aus heutiger Sicht minderwertig im Vergleich mit dem Stil der Porträts oder Triptychons. Doch die Zeitgenossen von Philipp dem Guten sahen das anders. So hätte die Stadt Brügge wohl kaum den großen Van Eyck mit dem Bemalen der Nischenskulpturen an der Fassade des Rathauses beauftragt, hätte dies als banale Arbeit gegolten. Und wer die St.-Salvator-Kathedrale in Brügge besucht, wird zugeben müssen, dass der 1478 von Pieter Coustens für Anton von Burgund (ein unehelicher Sohn von Philipp dem Guten) als Ritter vom Goldenen Vlies bemalte Wappenschild wirklich ein kleines Kunstwerk ist. Coustens malte an die hundert Wappenschilde pro Jahr. Selbst die größten Künstler ihrer Zeit übernahmen ganz selbstverständlich solche in unseren Augen rein dekorativen Arbeiten. 

Zeitreisende auf der Suche nach weiteren, aber weniger dekorativen, sondern aus heutiger Sicht „echten“ Werken aus dem 15. Jahrhundert werden in der als Museum zugänglichen Schatzkammer der St.-Salvator-Kathedrale fündig. Hier hängt das Martyrium des Heiligen Hippolyt. Vermutlich vervollständigte Hugo van der Goes dieses von Dieric Bouts begonnene Triptychon.

© BVL 

Steenstraat, Brügge
Täglich geöffnet mit wechselnden Öffnungszeiten
Eintritt frei
www.visitbruges.be/de

Sint-Salvatorskathedraal (c) Jan D'Hondt

8. St.-Johannes-Hospital

Ein absolutes Muss auf jeder Reise durch das mittelalterliche Brügge ist dieses um 1150 erbaute Hospital, das seit einigen Jahrzehnten ein Museum ist. Das Museum erzählt die Geschichte der Krankenversorgung in dem Hospital und beherbergt darüber hinaus einige sehenswerte Meisterwerke von Hans Memling. 

Im Mittelalter war die Anwesenheit eines Priesters weit selbstverständlicher als die eines Arztes. Überall waren kleine Altäre aufgestellt, mit denen Schutzpatrone der Kranken verehrt wurden. Bekannt unter ihnen ist der Heilige Rochus, der Schutzpatron gegen die Pest. Oder die Heilige Apollonia, Schutzpatronin aller an Zahnweh Leidenden. Besonders präsent im Hospital ist jedoch die Heilige Ursula, Schutzpatronin für einen ruhigen Tod, der der Heiligen selbst verwehrt geblieben war. 

Ursula ist auch die Verbindung zu Memlin. 1489 schuf er für das St.-Johannes-Hospital seinen berühmten Ursula-Schrein. Auf der sechsten Tafel stellte er den Märtyrertod Ursulas dar. Der Legende nach starb sie als katholische Märtyrerin eines gewaltsamen Todes durch die Hand Attilas, nachdem sie sich geweigert hatte, den „gottlosen“ Hunnen zu heiraten. Auf dem im Hintergrund im Wind flatternden Banner entdeckt der aufmerksame Betrachter den Flügel eines schwarzen Adlers als eindeutigen Verweis auf das Wappenschild des Heiligen Römischen Reichs. Dieses kleine Detail suggeriert, dass Landvogt Maximilian von Österreich auch in den Augen von Memling ein unnachgiebiger Herrscher war, in jedem Fall dem blutdürstigen Attila ebenbürtig. Mit einfachen Pinselstrichen spiegelte Memling den Niedergang Brügges und die Niederlage Flanderns im Märtyrertod der Heiligen Ursula.

© BVL 

Mariastraat 38, Brügge
Di.-So. 9.30 bis 17 Uhr
Kostenpflichtig
www.museabrugge.be/de

Onze-Lieve-Vrouwekerk (c) Sarah Bauwens

9. Liebfrauenkathedrale

Karl V. – König von Spanien, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Fürst der Niederlande, der aus mehreren Gründen der letzte Burgunder genannt werden kann – setzte sich hingebungsvoll dafür ein, die sterblichen Überreste seines beliebten Urgroßvaters Karl des Kühnen von Nancy nach Brügge überführen zu lassen. Karl der Kühne war bereits im Januar 1477 in Nancy in einer Schlacht im Schnee umgekommen. Doch erst im Jahr 1550 wurde der Wunsch seines Urenkels erfüllt. 

Drei Jahre später konnten die sterblichen Überreste von Karl dem Kühnen in der Liebfrauenkathedrale von Brügge mit den Überresten der in Brügge verstorbenen Großmutter Karls V., Maria von Burgund, vereint werden. Endlich ruhten Vater und Tochter friedlich nebeneinander, hier nahe dem Gruuthusenmuseum, in diesem einzigartigen ganz aus Backstein erbauten Gotteshaus, dessen Turm Brügge überragt und das wahrscheinlich das zweithöchste Backsteingebäude der Welt ist. Zunächst wurden die sterblichen Überreste des Vaters im Grab der Tochter Maria bestattet. 1562 erhielt Karl der Kühne sein eigenes prunkvolles Grabmal.

Die giftigen Dämpfe, die beim Vergolden der bronzenen Grabmale entstanden und mehrere Handwerker töteten, sind vergessen. Ebenso dass die Gebeine Karls im Laufe der Zeit verloren gingen. Auch uns geht es hier allein um den Untergang des burgundischen Reichs. Interessiert man sich für dessen Ursprünge, muss man nach Dijon, wo Claus Sluters Pleurants beim Stammvater Philipp dem Kühnen und seinem Sohn Johann Ohnefurcht wachen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Philipp der Gute, der einzig wahre Großherzog des Westens, kein Prunkgrabmal bekommen hat. 

Auch interessant: Das prunkvolle Grabmal von Maria wurde nach einem Entwurf von Jan Borreman gefertigt. Der Guss stammt von Renier van Thienen, die Vergoldung von Pieter de Beckere. Das Prachtgrab von Karl ist das Werk von Jacques Jongelinck.

© BVL 

Mariastraat, Brügge
Mo.-Sa. 9.30 bis 17 Uhr, So. 13.30 bis 17 Uhr
Kostenpflichtig
www.museabrugge.be/de

Historium (c) Historium

10.Lust auf noch mehr mittelalterliches Brügge?

St.-Jakobs-Kirche: frühgotische Backsteinkirche, die dank Spenden von unter anderem den burgundischen Herzögen ab 1457 umgebaut und erweitert werden konnte. (Sint-Jacobsplein, Brügge)
Verwaltungssitz des Brügger Freiamts: Von hier aus, wurde das umliegende Land, das sogenannte Brugse Vrije, verwaltet. Sehenswert ist auch die Prunkschau aus dem Jahr 1528, die eine eindrucksvolle Ehrbezeugung an Karl V. ist. (Burg, Brügge)
Heilig-Blut-Basilika: Hier wird eine Ampulle mit dem Blut Christi aufbewahrt. Graf und Kreuzritter Dietrich von Elsass soll diese Reliquie nach Brügge gebracht haben. Die romanische Unterkirche datiert aus dem 12. Jahrhundert. Die Basilika wurde im 17. Jahrhundert restauriert und umgebaut und erstrahlt heute vor allem im neugotischen Stil des 19. Jahrhunderts. (Burg 13, Brügge)
Historium: Hier, ganz in der Nähe des Belfrieds, treffen Geschichte und virtuelle Realität aufeinander.  (Markt 1, Brügge)
Prinsenhof: Nach mehreren Umbauten und Restaurationen ist der Prinsenhof heute ein Luxushotel (Hotel Duke’s Place). Früher residierten hier flämische Grafen und burgundische Herzöge. Der Prinsenhof ist zugleich Sterbeort Philipps des Guten und Marias von Burgund. (Ontvangersstraat 9, Brügge)

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