Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

um die Sicherheit von Einheimischen wie auch Besuchern zu gewährleisten und die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat die belgische Regierung entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Die aktuellen Informationen dazu finden Sie hier:

COVID-19 | Informationen über Maßnahmen und Einschränkungen in Belgien
Deutschland – Auswärtiges Amt
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Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Brussels (c) Visit Brussels - Eric Danhier.

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Brüssel

KMSKB

1. KMSKB

Das Old Masters Museum des Königlichen Museums der Schönen Künste Belgiens (KMSKB) ist ein Genuss für Freunde des Spätmittelalters. Das Auge fällt zunächst auf die Bilder der fabelhaften Kopie der Anbetung des Lamm Gottes (1432), die Michel Coxie im Auftrag von König Philipp II. zwischen 1557 und 1559 anfertigte. Coxie kopierte nicht einfach. Er gab dem Werk seine Handschrift und ersetzte zum Beispiel die Auftraggeber Joos Vijd und Elisabeth Borluut durch die Evangelisten Johannes und Markus. 

Für Philipp II. malte Coxie außerdem eine Kopie von Rogier van der Weydens Kreuzabnahme, die hier nicht hängt (sondern im Prado in Madrid). Dafür aber ein anderes großes Werk: das Porträt von Anton von Burgund (ca. 1463), genannt der „Große Bastard“. Dessen Vater, Philipp der Gute, hatte gut 26 uneheliche Kinder, von denen er Anton besonders zugetan war. Er nahm ihn deshalb in den Orden vom Goldenen Vlies auf, was die Halskette auf dem Porträt belegt. Man beachte Antons Blick, der Durchsetzungsvermögen und zugleich leichte Verwundbarkeit ausdrückt. 

Sein Porträt ist mindestens so schön wie jenes, das Van der Weyden von Philipps Thronfolger Karl dem Kühnen anfertigte (und das heute in Wien zu sehen ist). Doch auch im KMSKB hängt ein Van der Weyden (oder zumindest seinem Atelier) zugeschriebenes Porträt von Karl dem Kühnen. Und als wäre das noch nicht genug, finden sich hier im KMSKB Werke von Hans Memling und Dirk Bouts. Darunter ist Bouts’ Hinrichtung des unschuldigen Grafen (1473-1475), das Einblick gibt in das wundersame burgundische Zeitalter, in dem es natürlich auch Mord und Totschlag gab.

Für alle, die sich nicht sattsehen können, sind außerdem zwei 1872 entstandene Werke von Emile Wauters ausgestellt. Beide verweisen auf die Zeit der Burgunder. Der Wahnsinn des Hugo van der Goes nimmt Bezug auf die wirren letzten Jahre von Hugo van der Goes im Rood-Klooster im Zonienwald bei Oudergem. Maria von Burgund vor den Schöffen in Brügge nimmt uns mit zu dem Moment, in dem die Tochter des 1477 getöteten Karl des Kühnen schwört, die Privilegien der Stadt zu achten.  

© BVL / MEER

Regenschapstraat 3, 1000 Brüssel
Di.-Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa.-So. 11 bis 18 Uhr
Kostenpflichtig
www.fine-arts-museum.be

Parvis Sainte Gudule-Olivier van de Kerchove

2. Kathedrale St. Michael und St. Gudula

Am 18. Juni 1464 starb Rogier van der Weyden, der offizielle Nachfolger Jan van Eycks am burgundischen Hof. Ein weiterer geschätzter Zeitgenosse, von dem der älter werdende Philipp der Gute Abschied nehmen musste. Der bei seinem Tod vermutlich 64 Jahre alte Stadtmaler, 1436 von Brüssel in diese Position gehoben, hieß eigentlich Rogier de la Pasture, verwendete in Brüssel aber die niederländische Übertragung seines Namens – pasture ist französisch für weide (mit gleicher Bedeutung im Deutschen). Auf seiner Grabplatte in der Kapitelkirche, die erst viel später zur Kathedrale werden sollte, reichte ein meester Rogier (Meister Rogier) aus, um den Verstorbenen eindeutig zu benennen. Die Stadt ehrte in, indem sie (in Latein) einmeißeln ließ: „Brüssel betrauert Euren Tod und fürchtet, dass es niemanden von Euren Fähigkeiten finden wird“. 

Sein Grab ist heute leider nicht mehr erhalten. Doch auch sonst war die Kathedrale Stätte burgundischer Trauer. So wurde hier im Jahr 1446 Katharina von Valois, die erste Frau von Karl dem Kühnen, zu Grabe getragen. Demgegenüber standen zum Glück auch freudige Momente. Margarete von Österreich, Tante von Kaiser Karl, wurde hier getauft, und Philipp der Gute berief hier im Jahr 1435 eine Kapitelversammlung des Ordens vom Goldenen Vlies ein. Philipp liebte Brüssel, insbesondere den Palast auf dem Coudenberg. 

© BVL / MEER

Wilde Woudstraat 15, 1000 Brüssel
Mo.-Fr. 7 bis 18 Uhr, Sa. 8 bis 15.30 Uhr, So. 14 bis 18 Uhr
Eintritt frei
cathedralisbruxellensis.be/en

KBR, Librije van de Bourgondische hertogen (c) KBR

3. KBR, Bibliothek der Herzoge Burgunds

Welch ein Ort! Das gesamte burgundische Zeitalter, ausgehend von der weltberühmten herzoglichen Bibliothek, einer Manuskriptesammlung von atemberaubender Schönheit, ist hier in ein einzigartiges Museum gefasst worden. Und das in Brüssel, nahe dem Ort, an dem einst der Palast von Coudenberg thronte. Der Ort, an dem Philipp der Gute unzählige Stunden verbrachte und zahlreiche illustrierte Handschriften in Auftrag gab. Kein Wunder also, dass dieser Ort Touristen aus aller Welt anzieht, die die prachtvollen Miniaturen, alten Handschriften und frühen Beispiele der Buchdruckkunst bewundern möchten. 

Die alten Schriften sind fragil geworden und dürfen nicht mehr als drei bis vier Monate Licht ausgesetzt sein. Deshalb werden die Ausstellungsstücke immer im Wechsel gezeigt. Zum Glück ist die Auswahl groß genug. Wahrlich eindrucksvoll! Der Besucher sieht demnach immer nur eine Auswahl der Ausstellungsstücke, sie alle aufzuzählen ergäbe daher an dieser Stelle wenig Sinn. Und doch stehen die Chancen gut, die weltberühmte von Rogier van der Weyden geschaffene Miniatur von Philipp dem Guten, Karl dem Kühnen, Kanzler Rolin und einigen anderen Würdenträgern zu Gesicht zu bekommen. Wunderbar auch die Darstellung des Herzogs, der eine illustrierte Handschrift in Empfang nimmt.

Dieses Museum ist an einem symbolträchtigen Ort entstanden, ist die Bibliothek der burgundischen Herzöge doch der Ausgangspunkt für die später entstandene Königliche Bibliothek Belgiens (KBR).

© BVL / MEER

Museumseröffnung am 17. September 2020
Kunstberg 28, 1000 Brüssel
Di.-So. 10 bis 18 Uhr
Kostenpflichtig
www.kbr.be/en

Bellevue Museum Facade, Brussels (c) Fonds Bellevue

4. Coudenberg

So wie das Reich Philipps des Guten wuchs, gewann auch sein herrschaftlicher Brüsseler Palast an Größe. Der Palast auf dem Coudenberg symbolisierte die Unendlichkeit der burgundischen Ambitionen. Ein Herrschaftssitz, wie geschaffen für den Großherzog des Westens, den ungekrönten König der Niederlande. 

Eindrucksvoll dargestellt hat den Palast Jan Brueghel der Jüngere um 1627. Ein Ort mit Anziehungskraft. Man möchte durch die Gänge dieses Palastes wandeln, in dem Philipp der Gute und Karl der Kühne viel Zeit verbrachten. In dem Philipp am 14. Januar 1457 unvergesslich in Wut über seinen Sohn Karl entbrannte. In dem Karl einen Monat später seine Tochter Maria von Burgund taufen ließ. In dem der erste erotische Erzählband der französischen Literatur entstand.

Leider, leider geht das heute nicht mehr. Der Herrschaftssitz ging 1731 in Flammen auf und mit ihm wahrscheinlich auch einige herrschaftliche Porträts aus der Hand Jan van Eycks. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass viele Jahre später auf der Asche des alten Herrschaftssitzes ein bedeutender neuer Palast entstand: der Königliche Palast Belgiens. So ist ein Stückchen Vergangenheit in die Gegenwart hinüber gerettet worden.  

Im wahrsten Sinne des Wortes sogar, denn die Kellergewölbe des alten Palastes haben überdauert. Bei einem Besuch des BELvue museum kann man in die unterirdischen Gewölbe eintauchen und sich vorstellen, wie hier einst Burgunderwein in Fässern reifte. In der Stille unter der Erde wandelt man nicht nur auf den Spuren Philipps des Guten. Hier hallt auch der Geist Karls V. wider. Geschichte zum Aufsaugen! 

© BVL / MEER

BELvue museum, Paleizenplein 7, 1000 Brüssel
Di.-Fr. 9.30 bis 17 Uhr, Sa.-So. und Feiertage 10 bis 18 Uhr
Kostenpflichtig
Coudenberg.brussels

Grand Place- City Hall - Brussel

5. Rathaus 

Der umherreisende burgundische Hof machte im Laufe des 15. Jahrhunderts immer öfter in Brüssel Halt. Die Stadt profitierte davon und tat alles, um es den Herzögen recht zu machen. So investierte man nicht nur in die Erweiterung und Verschönerung des Palastes, auch in der Stadt selbst wurde eifrig gebaut. Der nahegelegene Warandepark und der wildreiche Zonienwald erfreuten die jagdfreudigen Burgunder. Während Brügge zum Handels- und Finanzzentrum aufgestiegen war und Gent alle naselang in halsbrecherische Aufstände verwickelt war, schien Brüssel wie gemacht für eine behagliche Residenzstadt. 

Im Jahr 1435 ernannte der Stadtrat den damals bereits bekannten Rogier van der Weyden zum Stadtmaler, eine Position, die speziell für ihn geschaffen worden war. Kurz nach seiner Ernennung erhielt Van der Weyden den Auftrag zur Anfertigung von vier riesigen Gerechtigkeitstafeln im Brüsseler Rathaus, dessen erster Flügel gerade fertiggestellt worden war. Brüssel wollte mit diesem ambitionierten Gebäude das unter Philipp dem Kühnen und Johann Ohnefurcht erbaute Rathaus von Brügge übertreffen. 1444 legte der erst 11-jährige Karl der Kühne den Grundstein für den zweiten Flügel, der kleiner ausfallen sollte als der seit 1439 von Van der Weydens Tafeln geschmückte erste Flügel. Leider sind diese von Besuchern vielfach als Meisterwerke höchster Güte gelobten Gemälde während des Angriffs Ludwigs XIV. auf Brüssel im Jahr 1695 verloren gegangen.

© BVL / MEER

Grote Markt, 1000 Brüssel
Führungen immer mittwochs und sonntags
Kostenpflichtig
www.brussel.be/city-hall

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