Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

um die Sicherheit von Einheimischen wie auch Besuchern zu gewährleisten und die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat die belgische Regierung entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Die aktuellen Informationen dazu finden Sie hier:

COVID-19 | Informationen über Maßnahmen und Einschränkungen in Belgien
Deutschland – Auswärtiges Amt
Österreich - Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Gent

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Gent

Sint-Baafs (c) Miguel Rodríguez

1. Lamm Gottes – St. Bavo-Kathedrale

Auf der Reise durch das burgundische Flandern darf dieser Halt auf keinen Fall fehlen. In Gent hängt eines der berühmtesten Gemälde aller Zeiten. Joos Vijd und Elisabeth Borluut hatten keine Kinder, träumten aber doch davon, sich in gewisser Weise zu verewigen. So kam ihnen die Idee, in ihrer Kapelle in der St.-Johannes-Kirche das bis heute größte Polyptychon der Niederen Lande anzubringen. Mit der Ausführung beauftragten sie den großen Hubert van Eyck.  Der Traum der Vijds scheint in Erfüllung zu gehen: Zwar ist die Ewigkeit eine lange Zeit, doch bis heute, sechs Jahrhunderte nach ihrer Lebenszeit, ist die Anbetung des Lamm Gottes in aller Munde. 

Lam Gods Gent (c) Lukasweb.be - Art in Flanders


Als Hubert van Eyck starb, übernahm sein Bruder Jan die Arbeiten. Der Hofmaler Philipps des Guten wurde von seinem Herzog zeitweise freigestellt, um Aufträge für Angehörige der städtischen Oberschicht auszuführen. Jan van Eyck experimentierte mit der gerade erfundenen Ölfarbe. Ihm gelang es, die Farben aufzuhellen und ihnen mehr Tiefe zu verleihen. Durch seine unglaubliche Beherrschung von Lichteinfall und Schlagschatten schien er die Wirklichkeit getreu abbilden zu können. Gut vorstellbar, wie den Anwesenden am 6. Mai 1432 vor Staunen fast die Augen aus dem Gesicht gefallen sein müssen. Wie sie der fotografischen Illusion erlagen. Das Blau des Himmels war strahlender, das Gold war nicht mehr das vergoldete Glänzen seiner Vorgänger, sondern funkelte wie echtes Gold. Sogar die Warzen im Gesicht des Auftraggebers Joos Vijd waren zu erkennen, genauso wie die Krater des Mondes. 

Das Gemälde wurde in den Jahrhunderten seit seiner Entstehung immer wieder übermalt. Dadurch erschienen die Farben wie gefiltert. Kürzliche Restaurationsarbeiten haben die ursprünglichen Farben eindrucksvoll freigelegt. Was man heute sieht, ist nicht weniger als eine historische Sensation und kommt dem am nächsten, was Jan van Eyck, Joos Vijd, Elisabeth Borluut und Philipp der Gute im Jahr 1432 sahen.

© BVL / MEER

Sint-Baafsplein, 9000 Gent
Kostenpflichtig
sintbaafskathedraal.be/en (Öffnungszeiten)

Groot Vleeshuis

2. Großes Fleischhaus

Die Genter Fleischer hatten bereits Mitte des 13. Jahrhunderts ein Fleischhaus, wo alle Fleischverkäufer zusammenkamen, weil der Verkauf von zu Hause aus verboten war. Im Fleischhaus konnten Preise und Qualität kontrolliert werden. Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, hatte mindestens ein Fleischhaus. Das allererste Fleischhaus in Gent war aus Holz erbaut worden und verkehrte zu Beginn des 15. Jahrhunderts in einem so kläglichen Zustand, dass man 1407 ein viel größeres Gebäude errichten ließ, groß genug, dass jeder Fleischer eine eigene Fleischbank hatte. Im selben Jahr übrigens entfesselte der Burgunderherzog Johann Ohnefurcht in Frankreich einen Bürgerkrieg, woraufhin er zeitweise Unterschlupf in Flandern suchte. 

Während die Pariser Kollegen mit dem blutigen Bürgerkrieg zu tun hatten, konnte die Gilde der Genter Fleischer in Ruhe wachsen. Ihre Stadt war schon im 13. Jahrhundert mit 65.000 Einwohnern zur nach Paris zweitgrößten Stadt nördlich der Alpen gewachsen. Der Fleischumsatz in der Metropole war da natürlich hoch. 

Im 19. Jahrhundert zogen die Fleischer in ein neues Gebäude um. Das sogenannte Große Fleischhaus stand seitdem leer. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es restauriert und dadurch zum Glück vor dem Verfall gerettet. Heute kann man hier die Atmosphäre vergangener Zeiten erleben und zugleich eine feine Auswahl an ostflämischen Spezialitäten entdecken. 

© BVL / MEER

Groentenmarkt 7, 9000 Gent
Di.-So. 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei
www.grootvleeshuis.be/en

Gravensteen

3. Burg Gravensteen

Dieses gewaltige Bauwerk im Stadtbild von Gent führt uns zurück in die Zeit der Burgunder; in das 12. Jahrhundert, als Graf Philipp von Elsass in Flandern das Zepter führte. Von dessen Schwester Margarete von Elsass stammte in mütterlicher Linie Burgunderherzog Johann Ohnefurcht ab. Nach einer glücklosen Kreuzfahrt kehrte Philipp im Jahr 1178 von Konstantinopel aus heim, um dort festzustellen, dass die Genter Patrizier in seiner Abwesenheit die vorher vereinbarten Stadtrechte zu ihren Gunsten geändert hatten. 

Philipp statuierte ein Exempel und ließ mitten in der Stadt ein gigantisches Bollwerk aus Torunaier Kalkstein errichten: die Burg Gravensteen. Neben der neuen Burg gingen die gegenüberliegenden Patrizierwohnungen unter, womit für jeden klar war, wer in Flandern das Sagen hatte. Die Burg thronte weit über den anderen hohen Gebäuden Gents, die die Stadt zum Manhattan des 12. Jahrhunderts machten. Bis heute weht über dem düsteren Bauwerk die gelb-schwarze Flagge, die das niederländischsprachige Belgien Philipp von Elsass zu verdanken hat. 

© BVL / MEER

Sint-Veerleplein 11, 9000 Gent
Mo.-So. 10 bis 18 Uhr
Kostenpflichtig
historischehuizen.stad.gent

Dulle griet - Tijl Vereenooghe

4. Dulle Griet

Die mittelalterlichen Kanonen, auch Bombarden genannt, wurden im Laufe der Zeit immer größer. Das brachte neue logistische Herausforderungen mit sich. Das wird klar, wenn man vor der „Dulle Griet“ steht, die heute so friedlich am Freitagsmarkt in Gent steht. Um diese riesige Kanone zu bewegen, brauchte man viel Manneskraft und einige Lasttiere. Das über zwölf Tonnen schwere Monster datiert aus der Zeit von Philipp dem Guten (um 1430) und konnte bis zu 300 Kilogramm schwere Kanonenkugeln abfeuern. 

Wenn dieses „steinerne Geschütz von wunderbarer Größe [...] abgefeuert wurde, war dies übertags noch gut fünf, nachts zehn Stunden entfernt zu hören“, berichtet ein Chronist, „und das Donnern beim Abschuss war so laut, dass es schien, als hätten sich alle Dämonen der Hölle auf den Weg gemacht“. 

Ein Gefährt wie die „Dulle Griet“ ließ sich unmöglich schnell von links nach rechts drehen. Der Drehmechanismus sollte übrigens erst Anfang des 16. Jahrhunderts erfunden werden. Doch wenn es auf die Zerstörung von Stadtmauern ankam, war die „Dulle Griet“ auch vorher schon von unschätzbarem Wert gewesen.

© BVL / MEER

Grootkanonplein, 9000 Gent
visit.gent.be

Prinsenhof - (c) Ignace Van der Kelen

5. Prinsenhof

Unser modernes Konzept einer Hauptstadt gab es zu Zeiten der Burgunder noch nicht. Die wichtigsten Städte waren vielmehr Hofstädte, also Orte, die als Herrschaftssitze dienten. Eine Zeit lang weilten die Herzöge in Brügge oder Gent, zogen dann nach Dijon oder Lille, bevorzugten dann mehr und mehr Brüssel, bis Karl der Kühne sich für Mechelen entschied. Wenn sie sich in Gent aufhielten, residierten sie im Prinsenhof, auch Hof ten Walle genannt. Die einstige Burg wurde vom flämischen Grafen Ludwig von Male, Schwiegervater des ersten Burgunderherzogs Philipp des Kühnen, zum Residenzpalast umgebaut. Die Burg Gravensteen, ein grauer Koloss mit dicken Mauern und dunklen Räumen, 1180 erbaut von Philipp von Elsass, wurde für zu wenig komfortabel befunden und fungierte fortan als Gerichts- und Gefängnisgebäude.

1411 installierte Johann Ohnefurcht seinen 15-jährigen Sohn Philipp als ständigen Vertreter in Flandern im Genter Prinsenhof. Dort erfuhr dieser acht Jahre später vom gewaltsamen Ableben seines Vaters, wodurch Philipp von einem Tag auf den anderen zum Herzog von Burgund und Grafen von Flandern wurde. Am selben Ort erhielt Philipps Enkelin Maria von Burgund die Nachricht vom tragischen Tod ihres Vaters Karl dem Kühnen im Januar 1477. Im Sommer desselben Jahres fand im Prinsenhof Marias Hochzeit mit Maximilian von Österreich statt. 1500 schließlich wurde dort der letzte Burgunder geboren: Marias berühmter Enkel Karl, der über ein Reich herrschen sollte, in dem nie die Sonne unterging.

Dieser so geschichtsträchtige Ort ist mittlerweile fast gänzlich verschwunden, abgesehen vom Nordportal, nun das dunkle Portal (Het Donkere Poortje) genannt. Neben den genannten hochwohlgeborenen Herrschaften dürfte durch dieses Tor einst auch Jan van Eyck geschritten sein. Vielleicht sogar am 6. Mai 1432, dem Tag der Vorstellung der Anbetung des Lamm Gottes.   

© BVL / MEER

Prinsenhof, 9000 Gent
visit.gent.be

Zurück zum Seitenanfang