Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

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Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Kortrijk

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Kortrijk

Onze-Lieve-Vrouwekerk (c) Toerisme Kortrijk

1. Liebfrauenkathedrale

Am 11. Juli 1302 zerschlug das flämische Fußvolk das königlich französische Heer bei Kortrijk. Das sogenannte „volc te voet“ triumphierte über die Kavallerie, die sich in ihren vorväterlichen Sümpfen festgeritten hatte. Die in der Schlacht erbeuteten goldenen Sporen hingen fortan als glänzende Kriegstrophäen in der rund einhundert Jahre zuvor erbauten Liebfrauenkathedrale zu Kortrijk. 

In Flandern hat man die sogenannte Sporenschlacht nie vergessen und wird das auch nicht, seitdem der 11. Juli im Jahr 1973 zum Nationalfeiertag der flämischen Gemeinschaft ernannt wurde. Ein anderes Datum hat man in Flandern gründlich aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Den Tag im Jahr 1382 nämlich, als die Franzosen (gemeinsam mit den Burgundern) bei Westrozebeke ihr Mütchen an den um den Genter Philipp von Artevelde versammelten flämischen Truppen kühlten. An diesem Tag wurde Kortrijk leer geplündert und fast vollständig niedergebrannt. In einem symbolischen Akt wurden die 500 goldenen Sporen, die als Reliquie des Wunders von 1302 acht Jahrzehnte lang in den Gewölben der Liebfrauenkathedrale gehangen hatten, von den Franzosen gestohlen. Die heute in der Kathedrale ausgestellten Sporen sind Kopien, die 1952 zum 650. Jahrestag der Sporenschlacht angebracht wurden. 

Erwähnenswert ist auch, dass der Dichter Guido Gezelle der Kathedrale von 1872 bis 1889 als Unterpfarrer diente, und dass hier bis heute die Heilig-Haar-Reliquie – der Überlieferung nach ein Haar von Jesus selbst – verwahrt wird. Philipp von Elsass soll das Haar aus dem dritten Kreuzzug aus Jerusalem mitgebracht haben. Dieser Philipp war der Onkel des flämischen Grafen Balduin I. von Konstantinopel, der den Bau der Liebfrauenkathedrale in Auftrag gab. 

Mehr über die Sporenschlacht ist übrigens im Museum Kortrijk 1302 zu erfahren. An der Kirche von Staden steht seit 1982 – dem Jahr, in dem sich die Schlacht in der Teilgemeinde Westrozebeke zum 600. Mal jährte – eine Statue des in der Schlacht gefallenen Philipp van Artevelde. Schöpfer der Statue ist Frans Corneillie. 

© BVL / MEER

Deken Zegerplein 1, 8500 Kortrijk
Mo.-Fr. 8 bis 18 Uhr, Sa. 9 bis 18 Uhr, So. 11 bis 18 Uhr
Eintritt frei
www.kortrijk.be

Gravenkapel (c) Toerisme Kortrijk

2. Grafenkapelle

Die Geschichte der Burgundischen-Niederlande nahm ihren Anfang, als Burgunderherzog Philipp der Kühne am 19. Juni 1369 Margarete von Male, Tochter des flämischen Grafen Ludwig von Male, ehelichte. Dieser Ludwig ließ gegenüber der Liebfrauenkathedrale in Kortrijk eine Grafenkapelle bauen. Die Arbeiten begannen vermutlich kurz vor 1370. Die Kapelle hatte Ludwig, der im Jahr 1384 starb, für sein Prachtgrabmal auserkoren. Am Ende entschied er sich aber für die St.-Peters-Kirche in Lille. Wahrscheinlich weil die Franzosen und Burgunder die Kapelle nach der Schlacht bei Westrozebeke im Jahr 1382 geplündert und beschädigt hatten. Sie wurde 1410 repariert. 

Was die Kapelle bis heute so besonders macht, sind die Tafeln mit den Porträts der Grafen Flanderns. Die ersten Porträts (bis zu dem von Ludwig von Male selbst) wurden gleich zu Beginn angefertigt. Später setzten berühmte Maler wie der Ypener Melchior Broederlam die Arbeit fort. Leider funktionierten die französischen Besatzer die Kapelle im Jahr 1678 in einen Getreidespeicher um. Die meisten Gemälde wurden dabei zerstört. Im 19. Jahrhundert wurden die Gemälde in zeittypisch romantischem Stil restauriert. Wie dem auch sei: Wer sich damit brüstet, alle flämischen Grafen in der richtigen zeitlichen Abfolge ihrer Herrschaft nennen zu können, kann sein Wissen hier testen. Auch vier Burgunderherzogen begegnet man hier, allesamt Grafen von Flandern in der Nachfolge Ludwigs von Male.

© BVL / MEER

Deken Zegerplein 1, 8500 Kortrijk
Mo.-Fr. 8 bis 18 Uhr, Sa. 9 bis 18 Uhr, So. 11 bis 18 Uhr
Eintritt frei
www.toerismekortrijk.be/de

Historisch stadhuis (c) Toerisme Kortrijk

3. Rathaus

Wer nach dem Besuch der Grafenkapelle nicht genug bekommen kann von Balduin mit dem Eisernen Arm, Philipp von Elsass und Ludwig von Male, geht am besten auf direktem Wege ins Rathaus von Kortrijk. Die Nischen der Fassade zieren vierzehn Skulpturen flämischer Grafen. Angefertigt im 19. Jahrhundert, sind diese Skulpturen Teil einer durch mehrere Phasen geprägten Geschichte dieses jahrhundertealten Gebäudes.

Das ursprüngliche scepenhuus (Schöffenhaus) brannte im Feuersturm, den die Franzosen nach der Schlacht bei Westrozebeke über Kortrijk brachten, vollständig nieder. Unter Johann Ohnefurcht entstand an selber Stelle ein hochgotisches Gebäude, von dem heute nur noch die Spitzbögen erhalten sind – zu bewundern unter anderem in der Halle im Erdgeschoss. Im Jahr 1520 wurde das Rathaus unter Herrschaft Karls V. erweitert. Damals erhielt es weitgehend seine heutige Form. Der aus Sandstein gearbeitete Kamin des Ratssaals ist ein Prachtstück steinerner Spitzenarbeit, in der wir die Gestalt Kaiser Karls wiederfinden. 

© BVL / MEER

Grote Markt 54, 8500 Kortrijk
Juli und August 13 bis 17 Uhr
Eintritt frei
www.toerismekortrijk.be/de

Broeltorens (c) Toerisme Kortrijk

4. Broeltürme

Die berühmten Broeltürme prägen das Stadtbild von Kortrijk. Ihr Name leitet sich vom niederländischen Wort bruul (Brühl) ab, das ein brachliegendes, oftmals sumpfiges Stück Land bezeichnet. Der ältere der beiden Türme datiert von 1385, dem ersten Jahr der Regentschaft Philipps des Kühnen. Der andere wurde 1415 unter dessen Sohn Johann Ohnefurcht erbaut. Die Türme sind Überbleibsel des mittelalterlichen Stadtwalls. Im Rahmen einer Führung kann man die Türme besuchen und zurückreisen in die Zeit, in der die Grafschaft Flandern unter burgundische Herrschaft kam. 

© BVL / MEER

Broelkaai, 8500 Kortrijk
www.toerismekortrijk.be/de

Halletoren en grote mark (c) Toerisme Kortrijk

5. Belfried 

Nach der Schlacht bei Westrozebeke im Jahr 1382 machten sich die Franzosen mit den goldenen Sporen aus der Liebfrauenkirche aus dem Staub. Herzog Philipp der Kühne, der mit seinen Burgundern an der Seite der Franzosen gekämpft hatte, forderte seinerseits eine merkwürdige Kriegstrophäe. Die sorgfältige Demontage der schönen Glocke des Belfrieds war in ihrer Symbolik mindestens ebenso eindrücklich wie die Entwendung der goldenen Sporen. Fortan sollte der Burgunderherzog bestimmen, wie die Uhren in Flandern gingen. Viele Ochsenkarren waren nötig, um das technische Wunder in einem großen Zug nach Dijon zu transportieren, wo Jacquemart – der mechanische Glockenschläger – bis heute die Zeit der Kirche Notre-Dame vorgibt. 

Nach Westrozebeke ließen die Kortrijker ein neues Uhrwerk einbauen. Seitdem heißen die neuen Glockenschläger Manten und Kalle. Erstere schlägt bis heute zur vollen, der zweite zur halben Stunde. Von dem heute zu sehenden Turm datiert nur der unterste Teil noch aus der Zeit Philipps des Kühnen. Unter seinem Nachfolger Johann Ohnefurcht wurde der Turm zum größten Teil erneuert. Im frühen 16. Jahrhundert dann erhielt der Turm nach einer weiteren baulichen Erneuerung weitgehend sein heutiges Aussehen. Manten und Kalle, wie wir sie heute sehen, datieren aus dem Jahr 1961. 

© BVL / MEERGrote 

Markt, 8500 Kortrijk
Nicht zugänglich
www.toerismekortrijk.be/de

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