Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

um die Sicherheit von Einheimischen wie auch Besuchern zu gewährleisten und die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat die belgische Regierung entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Die aktuellen Informationen dazu finden Sie hier:

COVID-19 | Informationen über Maßnahmen und Einschränkungen in Belgien
Deutschland – Auswärtiges Amt
Österreich - Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Leuven

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Leuven

Universiteitsbibliotheek Leuven

1. Universität

Im Jahr 1423 hatte Philipp der Gute die Universität von Dole (Region Franche-Comté) gegründet. Naheliegender wäre es für den Burgunderherzog gewesen, seine Universität in Dijon einzurichten. Dem hatte jedoch der französische König als zuständiger Lehnsherr einen Riegel vorgeschoben. Über die Grafschaft Franche-Comté hingegen hatte der König keine Verfügungsgewalt. Die gehörte nämlich nach feudaler Ordnung zum Deutschen Reich. Mit der Gründung der Universität von Dole sendete Philipp ein deutliches Signal gen Paris.

Zwei Jahre später wurde die Alma Mater in Leuven gegründet. Brabant war wie Franche-Comté seit jeher mit dem Deutschen Reich verbunden, das auch dieses Mal keine Steine in den Weg legte. So konnten die burgundischen Erbländer zwei Universitäten vorweisen, beide unabhängig von Paris. Ein durchaus vorzeigbarer Erfolg. 

Offiziell stand hinter der Gründung der Leuvener Universität der schwache und kurz darauf von Philipp ins Abseits gestellte Brabanter Herzog Johann IV. In Wahrheit war die Universität eine Initiative des Stadtrats. Dieser hoffte, durch Gründung einer Universität dem langsamen Niedergang der Tuchindustrie neuen, intellektuellen Elan entgegensetzen zu können. Die mit der Universität verbundenen Interessen gingen jedoch natürlich über Brabant hinaus, lag sie doch im Einzugsgebiet der Burgundischen Niederlande. Dass Philipp der Gute der Universität zugetan war, zeigte sich 1426/27, als er den Papst bat, die Alma Mater um eine theologische Fakultät zu erweitern, was 1432 schließlich geschah.

Im Laufe der Jahrhunderte waren weltberühmte Wissenschaftler an der Leuvener Universität tätig. Unter ihnen Andreas Vesalius, der als erster den menschlichen Körper von Kopf bis Fuß beschrieb. Auch der Kartograf Mercator arbeitete an der Universität in Leuven. Bis heute hat die KU Leuven ihr internationales Renommee nicht verloren und kann bekannte Namen vorweisen, darunter DNA-Pionier Jean-Jacques Cassiman und Blutgefäßspezialist Peter Carmeliet. Der Universität verdankt Leuven seinen Aufstieg zum Wissensdrehkreuz und Standort zahlreicher Hightech-Unternehmen in der Stadt und ihrem Umland. 

© BVL / MEER

https://www.visitleuven.be/de/universitaet

Sint-Pieterskerk (c) Toerisme Leuven

2. St.-Peters-Kirche 

Wer einmal durch das Mittelalter wandeln möchte, ist in diesem aus weißem Sandstein erbauten, aber leider unvollendet gebliebenen Meisterwerk der Brabanter Gotik genau richtig. Mit dem Bau der Kirche wurde um das Jahr 1400 begonnen. Sie entstand an der Stelle eines romanischen Gebetshauses, dessen Krypta erhalten ist. Die ursprünglich vorgesehenen Türme wurden, wie bei vielen monumentalen Gotteshäusern des Mittelalters, nie fertiggestellt. Vermutlich auch aus finanziellen Gründen, aber auch wegen des instabilen, sumpfigen Bodens.

Im Inneren der Kirche sind Werke zu bewundern, die speziell für diesen Ort angefertigt wurden. Darunter als absoluter Höhepunkt Das letzte Abendmahl des weithin renommierten flämischen Meisters Dirk Bouts. Tatsächlich kam dieser aber aus Haarlem. Der Holländer ließ sich kurz vor 1448 in Leuven nieder und wurde 1472 zum Stadtmaler ernannt. Bei ihm sucht man vergebens nach dem Pathos Van der Weydens oder der fotografischen Präzision Van Eycks. Bei Bouts geht es um Verstummen, Ruhe und Lossagung. Auffällig ist, dass er diese bekannte religiöse Szene in eine bürgerliche Umgebung versetzte und sie großformatig malte. Damit war er seiner Zeit hundert Jahre voraus.

Het Laatste Avondmaal - Dieric Bouts (c) Toerisme Leuven

Sowohl das Original von Bouts als auch die Kopie von Van der Weyden hängen im Chorraum, dem Herzen der Kirche. Zur Kirche gehört zudem ein eindrucksvoller Sakramentsturm von 1450 nach einem Entwurf von Matthäus de Laeyen, ein architektonisch und bildhauerisches Meisterwerk aus der Zeit Philipps des Guten. Dieser Tabernakel, in dem geweihte Hostien (Eucharistie) aufbewahrt wurden, ist eine eindrucksvolle Verästelung von Baldachinen, Pinakeln, Spitzbögen und gotischen Motiven. 

Neben einem weiteren Tafelbild von Bouts ist hier auch das Edelherren-Triptychon zu sehen, die früheste Kopie (1443) der Kreuzabnahme von Rogier van der Weyden (ca. 1432-1435), einem der einflussreichsten Gemälde des 15. Jahrhunderts. Van der Weyden, offizieller Nachfolger von Van Eyck am burgundischen Hof, entpuppte sich als großer Könner auf dem Gebiet des Gefühlsausdrucks. Sehenswert natürlich auch die Sitzende Madonna mit Kind (1442) und, am Ende dieses Rundgangs durch das Zeitalter der Burgunder, das prunkvolle Grabesmal des Brabanter Herzogs Heinrich I. (1165-1235).

Um die Kunstschätze in der Kirche in ihrem historischen Zusammenhang zu präsentieren, hat das Museum M ein digitales Erlebnis mit dem Titel „Tussen Hemel en aarde“ (Zwischen Himmel und Erde) erarbeitet, mit dem die Besucher buchstäblich in die Welt der zwölf Highlights der St.-Peters-Kirche hineingezogen werden. Man fühlt sich, als wäre man Teil vom Letzten Abendmahl und als flösse einem in der Kapelle der Margareta von Leuven das Wasser unter den Füßen.  

© BVL / MEER

Grote Markt, 3000 Leuven
Mo.-Sa. 10 bis 16.30 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 16.30 Uhr, mittwochs geschlossen
Kostenpflichtig
www.diericbouts.be/de

Stadhuis © KarlBruninx

3. Rathaus

Brüssel wollte mit seinem ehrgeizigen Rathaus das unter Philipp dem Kühnen und Johann Ohnefurcht erbaute Rathaus von Brügge übertrumpfen. Dies wiederum spornte die Brabanter Hauptstadt Leuven zum Bau eines mit noch raffinierteren Ornamenten versehenen Rathauses an. Baubeginn war 1439 unter der Regentschaft Philipps des Guten nach Entwürfen von Sulpitius van Vorst. Die Fertigstellung sollte der Herzog allerdings nicht mehr erleben. Erst 1469, zwei Jahre nach seinem Tod, wurde das Rathaus vollendet. Wer es sieht, muss einfach zugeben, dass diese unglaubliche steinerne Spitzenarbeit zu Recht weltberühmt ist. 

Das historische Rathaus wird derzeit restauriert und erhält eine neue kulturelle und touristische Bestimmung. 2027 soll es seine Türen wieder für Einwohner wie Touristen öffnen.

© BVL / MEER

Grote Markt, 3000 Leuven
Führungen
www.visitleuven.be/de

Zurück zum Seitenanfang