Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

um die Sicherheit von Einheimischen wie auch Besuchern zu gewährleisten und die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat die belgische Regierung entsprechende Maßnahmen ergriffen.
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COVID-19 | Informationen über Maßnahmen und Einschränkungen in Belgien
Deutschland – Auswärtiges Amt
Österreich - Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

lier (c) Sofie Coreynen

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Lier

Sint-Gummaruskerk

1. St.-Gummarus-Kirche 

Am 20. Oktober 1496 platzte Lier aus allen Nähten. Philipp der Schöne heiratete. Philipp wer? Nun, Philipp, Fürst der Niederlande, Sohn von Kaiser Maximilian von Österreich und Maria von Burgund, Enkel von Karl dem Kühnen und Urenkel von Philipp dem Guten. Die glückliche Braut war Johanna von Kastilien, bekannt unter dem Namen Johanna die Wahnsinnige. Wie sie zu dem Beinamen kam, würde an dieser Stelle zu weit führen.

Jedenfalls gaben sich die beiden das Jawort in der prachtvollen St.-Gummarus-Kirche, die sich seit 1378 im Bau befand und erst Anfang des 16. Jahrhunderts fertiggestellt werden sollte. Das Brautpaar trat jedoch nicht vor den Parochiealtar, sondern vor einen Altar in einer der Strahlkapellen, die heutige St.-Rochus-Kapelle (damals Colibrantkapelle genannt). Sie war die Kapelle der Kolubrinenschützen, der reichsten Schützengilde von Lier. Noch heute kann man an genau dem Fleck stehen, an dem sich das Brautpaar das Jawort gab.  

Einen Spaziergang durch die schönen Gässchen und Sträßchen von Lier entfernt liegt die Kirche, in der im Jahr 1496 die vielleicht allerwichtigste dynastische Verbindung des Jahrtausends besiegelt wurde.
Der Sohn, der daraus hervorgehen sollte, sollte durch allerlei Zufälle zum Herrscher über ein Weltreich werden. 

Zwanzig Jahre später bekam Lier erneut hohen Besuch. Am 24. Januar 1516 nämlich standen der alte Maximilian von Österreich und sein Enkel Karl, der spätere Kaiser Karl, nebeneinander. Es fehlte Maximilians Sohn, Vater von Karl. Dieser, der beliebte Philipp der Schöne, war bereits zehn Jahre zuvor verstorben. An diesem Wintertag des Jahres 1516 wurden in Lier fünf imposante Glasfenster eingeweiht, die bis heute der Stolz der Kirche sind.

Sint Gummarus processie

Die Glasmalereien lassen das Haus Burgund-Habsburg in Glanz und Gloria erstrahlen. Im Mittelpunkt ist der 56-jährige Kaiser Maximilian von Österreich zu sehen, daneben seine 30 Jahre zuvor verstorbene Frau Maria von Burgund. Auch dargestellt sind ihre Kinder Philipp und Margarete sowie ihre Enkel Ferdinand und insbesondere Karl, der Knabe, auf den im Jahr 1516 alle Augen gerichtet waren und der später im Mannesalter das Schicksal der halben Welt auf seinen zarten Schultern würde tragen müssen.

Auch interessant: Die jährlich am ersten Sonntag nach dem 10. Oktober stattfindende St.-Gummarus-Prozession zieht jedes Jahr viele Besucher an. Sechzehn Mitglieder der Vereinigung „Genootschap van de Kasdragers“ tragen den über 800 kg schweren silbernen Reliquienschrein des Heiligen Gummarus durch die Straßen von Lier.

© BVL / MEER

Kardinaal Mercierplein, Lier
1. April bis 31. Oktober Di.-Fr. 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, So., Mo. und Feiertage 14 bis 17 Uhr, Sa. 14 bis 16.30 Uhr
Prozession am ersten Sonntag nach dem 10. Oktober
www.visitlier.be/de

Hof van Santhoven

2. Hof von Santhoven / Hof von Mechelen

Am 20. Oktober 1496 drängen sich in Lier so viele Menschen, dass eine Brücke über der Nete unter dem Gewicht der Menge einstürzte. „Durch die Schwere des Volkes fiel die Brücke nieder in das Wasser“, so ist es überliefert. Manche Quelle behauptet, dass einige unglückliche Lierer im Fluss ertranken. Das Hochzeitsfest aber ging einfach weiter. Die Anteilnahme an diesem Ereignis war so groß, dass sich eine große Menschenmenge am Hof von Santhoven, auch Hof von Mechelen genannt, versammelt hatte. Dort verbrachten die frisch Vermählten die Hochzeitsnacht. Die Menschen lauschten. Wurde die Hochzeit im Schlafzimmer angemessen vollzogen?

Das Gebäude, wie es heute hier steht, datiert aus dem 18. Jahrhundert. Vielleicht aber finden sich in seinen Grundmauern noch Steine, die Zeugen dieser Hochzeitsnacht im Jahr 1496 waren. Greifbarer ist da das ganz in der Nähe gelegene Haus an der Ecke Mosdijk und Predikherenlaan, wo noch ein alter Treppenturm der „Abtsherberg“ zu sehen ist, ein letztes Überbleibsel des Gebäudekomplexes, in dem das Hochzeitsfest gefeiert wurde. 

© BVL / MEER

Vismarkt 4, Lier
Nicht zugänglich
www.visitlier.be/de

Belfort Lier

3. Belfried

Lier ist mit einem der elegantesten Belfriede der Niederlande gesegnet. Die schlank geschichteten Steine überragen seit 1369den pittoresken Grote Markt (Großer Marktplatz). An sich waren Belfriede in Brabant ein eher seltener Anblick. Die meisten Belfriede gab es in Flandern. Zu erklären ist dies mit dem größeren Mitspracherecht in Brabant. In Flandern schien es Pflicht zu sein, die vom flämischen Grafen gewährten Stadtrechte mit der Errichtung eines Belfrieds zu besiegeln. Die Untertanen des Herzogs von Brabant genossen da größere Freiheit. Sie durften nach eigenem Belieben entscheiden. Oftmals fungierte eine monumentale Kirche als Belfried. Das Städtchen Lier, gelegen in der Mitte zwischen Antwerpen und Mechelen, muss den Bau eines Belfrieds als starken Ausdruck seiner Selbstbestätigung gesehen haben. Ursprünglich war der Belfried Teil der Tuchhalle, die 1418 eine neue Funktion erhielt. Seitdem beherbergt das Gebäude das Rathaus von Lier.

© BVL / MEER

Grote Markt Lier
Nicht zugänglich
www.visitlier.be/de

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