Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

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Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Mechelen

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Mechelen

Hof van savoye (c)stadMechelen

1. Hof von Savoyen

Im Jahr 1506 starb unerwartet Philipp der Schöne, Fürst der Niederlande. Sein Tod stürzte seinen Vater Maximilian, der bereits seine Frau Maria von Burgund viel zu früh verloren hatte, in tiefe Trauer. Philipps Frau konnte den Schock über seinen Tod nie verarbeiten und weigerte sich, die sterblichen Überreste ihres Mannes freizugeben. Seither ist sie unter dem Beinamen Johanna die Wahnsinnige bekannt.

Wer sollte nun für den sechsjährgen Enkel Maximilians, den kleinen Karl (und seine Schwestern) sorgen? Ihre Tante Margarete von Österreich, Schwester von Philipp, kam nach Mechelen, um sich der Kinder anzunehmen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1530 blieb sie in Mechelen, wo sie den Hof von Savoyen bewohnte. Dieser gilt als eines der ersten Gebäude mit Renaissanceelementen in den Niederlanden. Das Gebäude verdankt die Stadt unter anderem den Mechelener Baumeistern Anton und Rombout II. Keldermans. 

Anfang des 16. Jahrhunderts begann Margarete, eine große Sammlung von Werken spätmittelalterlicher Meister aufzubauen. Allesamt Maler, die dank dem burgundischen Mäzenatentum ihrer Ahnen über sich hinauswachsen konnten. Zeuge dieser Sammelleidenschaft war ihr Neffe Karl. Die Idee einer bedeutungsvollen burgundischen Kultur hat er quasi mit der Muttermilch eingesogen und sein Leben lang nicht vergessen. Wie ihr Urgroßvater Philipp der Gute liebte Margarete mehrstimmige Musik. Im Hof van Busleyden ist bis heute ein absoluter Schatz zu sehen: das originale Chorbuch von Margarete.  

Auch der Blick in den herrlichen Innengarten lohnt sich, genauso wie ein Besuch an der Statue von Margarete von Österreich auf dem Schoenmarkt, von den Bewohnern Mechelens liebevoll „Ons Margriet“ (Unsere Margarete) genannt. Die Statue aus dem Jahr 1849 drohte wegzusacken, als Anfang des 21. Jahrhunderts an ihrem ursprünglichen Standort eine Tiefgarage gebaut wurde. Margarete war zu schwer – ein schönes Symbol für ihr historisches Gewicht – und musste auf den Schoenmarkt umziehen, wo sie seither auf den ebenfalls neugestalteten großen Marktplatz (Grote Markt) blickt. 

© BVL / MEER

Keizerstraat 20, Mechelen
Mo.-Fr. 7.30 bis 16.15 Uhr, Sa. 8.30 bis 15.30 Uhr
Innenhof frei zugänglich
www.visitmechelen.be/de 

Schepenhuis @StadMechelen

2. Schöffenhaus

Im Jahr 1473 warf Burgunderherzog Karl der Kühne die alte Gewohnheitspflicht, das Pariser Parlament als höchstes Berufungsgericht anzurufen, über Bord. Es war nicht die erste Provokation gegenüber Paris und der Versuch, Burgund denselben Status zu geben wie Frankreich. Nach dem Motto: Was wir selbst tun, tun wir besser. Mechelen wurde der Mittelpunkt des Burgunderreichs. 

Karl strukturierte den stets mit ihm reisenden Großen Rat zum Parlament um und machte das Schöffenhaus (Schepenhuis) in Mechelen zum ständigen Sitz dieses obersten Gerichtshofs. Bis heute strahlt das Schöffenhaus, gelegen zwischen IJzerenleen und Grote Markt, gotischen Stolz aus. 

Die erste Erwähnung dieses steinernen Gebäudes, das als ältestes Rathaus Flanderns gilt, datiert aus dem Jahr 1288. Schöffenbanken hatten damals viel mehr Befugnisse als heutzutage Bürgermeister und Stadträte. So sprachen sie etwa auch Recht in Finanzdelikten und bürgerlichen Streitigkeiten. 

Heute ist das Schöffenhaus der Sitz des Tourismusamtes der Stadt Mechelen. Dort kann man nicht nur Informationen erfragen, sondern auch zwei große Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert bewundern. „Erlebnisinseln“, die die Position Mechelens als Hauptstadt der Niederlande skizzieren, inspirieren zum Wandeln auf den Spuren der Burgunder in Flandern.

© BVL / MEER

Vleeshouwersstraat 6, Mechelen
Mo.-Sa. 10 bis 16 bzw. 17* Uhr, So. 12.30 bis 16 bzw. 17* Uhr *1. April bis 31. Oktober
www.visitmechelen.be/de

Dijlepad Mechelen

3. Patrizierwohnungen und kleine Stadtpalais

Nach der Einsetzung des Parlaments von Mechelen im Jahr 1473 ließen sich in der Stadt zahlreiche Richter und Magistrate nieder. So entstand in Mechelen eine exklusive Ansammlung luxuriöser Patrizierwohnungen und kleiner Stadtpalais, von denen einige bis heute nicht aus dem schönen Stadtbild der Mechelener Altstadt wegzudenken sind. Zwei davon möchten wir an dieser Stelle vorstellen. 

Die adelige Familie Schoofs führte im Laufe des 15. Jahrhunderts zwei Gebäude zu einem monumentalen Stadtpalais zusammen, wo auch Jean Carondelet, der erste Vorsitzende des Parlaments von Mechelen, eine Zeit lang residierte. Der Hof van Schoofs steht am Korenmarkt. 

Der Hof von Cortenbach (gelegen zwischen Onze-Lieve-Vrouwestraat und Ziekenliedenstraat) datiert aus dem frühen 16. Jahrhundert. Er entstand mutmaßlich nach einem Entwurf des berühmten Baumeisters Rombout II. Keldermans. Der Name dieses Architekten ist in Mechelen außerdem unter anderem mit der Kirche Unsere Liebe Frau jenseits der Dijle und natürlich dem Hof von Savoyen verbunden. Nach umfangreichen Restaurationsarbeiten wird Mitte 2020 unter anderem ein Gastronomiebetrieb in den Hof von Cortenbach einziehen. So wird die Atmosphäre der Blütezeit Mechelens für jedermann erlebbar. 

Beim Tourismusamt ist eine Faltkarte erhältlich, die die Höhepunkte aus der Burgunderzeit auf einer Route durch die Stadt zusammenfasst. Sehenswert sind auch die fünf Häuser mit jahrhundertealtem Vorgiebel aus Holz. Das älteste von ihnen, De Vijgenboom, steht an der Ecke Sint-Katelijnestraat und A.B.-straat und hat einen hohen Punktgiebel aus dem frühen 16. Jahrhundert. Vielleicht ruhte einst der Blick des jungen Kaiser Karls auf diesem Haus. 

© BVL / MEER

Mechelen Palace Margareta Van Oostenrijk (c) Toerisme Mechelen

4. Palais der Margareta von York (Stadttheater)

Fast ist vergessen, dass hier einst der Hof von Kamerijk stand, von dem nur der alte Giebel erhalten ist. In diesem Stadtpalais wohnte Johann VI. von Burgund, ein unehelicher Sohn von Johann Ohnefurcht, der es bis ins Amt des Bischofs von Kamerijk brachte. Zu Zeiten der Burgunder wurden Bastarde häufig in wichtige Positionen gehoben, vor allem wenn es wenige offizielle männliche Nachkommen gab. 1480, drei Jahre nach dem Tod ihres Gatten Karl des Kühnen, kam das Gebäude in den Besitz von Margareta von York, die umfangreiche Umbauarbeiten durchführen ließ. Als ihre Stieftochter Maria von Burgund knapp zwei Jahre später bei einem tragischen Jagdunfall ums Leben kam, übernahm Margareta die Erziehung ihrer Enkelkinder Margarete von Österreich und Philipp des Schönen. An dem Ort, an dem auch der spätere Kaiser Karl, Sohn Philipps des Schönen, seine Jugend verbringen sollte. 

Schließlich sollten hier unzählige Prinzen und Prinzessinnen aus dem weitverzweigten Hause Habsburg aufwachsen. Tatsächlich wurde aus dem Palais ein echter „Kinderhof“, in dem zeitweise bis zu 80 kleine Habsburger residierten, jeweils mit eigenem Hofstaat natürlich. Für den Unterricht der Sprösslinge wurden die größten Intellektuellen ihrer Zeit, darunter niemand geringerer als Erasmus, nach Mechelen geholt.

Ein kleiner Bewohner, der spätere Kaiser Karl, brachte dem Palais den Beinamen „Kaiserhof“ ein. Er war die Kulisse für unzählige burgundische Jagdgesellschaften, Hofbälle und Bankette, wo Possenreißer, Zauberer, Sänger und Musikanten ihr Können zum Besten gaben. Die heutige Funktion des Bauwerks wird dieser Historie gerecht. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts übernahmen die Jesuiten das Gebäude. Sie bauten den größten Saal in ein Theater um. 

Heute beherbergt das Gebäude das Stadttheater von Mechelen. Wo heute Zuschauer sitzen, empfing Margareta von York ihre Gäste. Wer Stammbäume mag, kann die Zeit vor der Vorstellung dazu nutzen, die burgundische Erbfolge in Gedanken nachzuvollziehen. Und sich dabei vorstellen, dass einige dieser erlauchten Damen und Herren genau so zu Besuch hier waren wie die Theaterbesucher heute. Oder sogar hier wohnten. 

© BVL / MEER

Keizerstraat 3, Mechelen
Nur von außen zu besichtigen
www.visitmechelen.be/de

Museum Hof van Busleyden (c) Sophie Nuytten

5. Hof van Busleyden

Nach umfangreichen Restaurationsarbeiten erhielt der Hof von Busleyden in Mechelen im Sommer 2018 eine neue Funktion als Museum, das die burgundisch-habsburgische Historie von Mechelen und der Niederen Lande im Allgemeinen erschließt und die Bedeutung dieser Vergangenheit für unsere Gegenwart betrachtet. Das Museum befindet sich in einem prachtvollen Stadtpalais aus dem frühen 16. Jahrhundert, einem der ersten Renaissancegebäude der Niederlande. Erbaut wurde es vom Humanisten Hieronymus van Busleyden, einem Freund von Erasmus und Thomas Morus und Richter im Großen Rat von Mechelen.

Der Hof van Busleyden ist in jedem Fall einen Besuch wert. Hier wird die Geschichte der burgundisch-habsburgischen Niederlande erlebbar, beim Gang vorbei an einzigartigen Kunstwerken, darunter etwa die Besloten Hofjes, Altarbilder mit dem Bildmotiv des geschlossenen Gartens. Zu sehen sind außerdem das Chorbuch von Margarete von Österreich, ein Bildteppich mit Darstellung der Einnahme von Tunis durch die Truppen Karls V. sowie eine außergewöhnliche Sammlung von Porträts der burgundisch-habsburgischen Herrscher. Themen wie Volksfeste, das soziale Stadtgefüge, Forschung und Kreativität, Privatleben, Meditation und Besinnung spannen die Brücke zwischen dem 15./16. Jahrhundert und der Gegenwart.

Dieser zum Museum umgebaute Stadtpalais ist zudem besonders gut für Familien mit Kindern geeignet. Über einen kindgerechten Rundgang entdecken kleine Besucher spielenderweise die Geschichten von mächtigen Fürsten, Rittern und Volksfestspektakeln sowie das meisterhafte Können burgundischer Künstler und Handwerker.

© BVL / MEER

Sint-Jansstraat 2A
Fr.-Di. 10 bis 17 Uhr, Do. 10 bis 22 Uhr
Kostenpflichtig
www.hofvanbusleyden.be/de

Sint-Romboutstoren (c) Visit Mechelen

6. Grote Markt, Rathaus, St.-Rombouts-Turm

Hier lohnt es sich, kurz innezuhalten und den Blick umherschweifen zu lassen. 

Blickfang ist die Kathedrale mit dem St. Rombouts-Turm, der auch als Belfried diente. Der Grundstein wurde im Jahr 1452 unter Philipp dem Guten gelegt. Die ursprünglich vorgesehenen 167 Meter wurden nicht erreicht, doch mit seinen imposanten 97 Metern Höhe bestimmt der Turm bis heute das Stadtbild Mechelens. Die älteste der Turmglocken trägt den Namen Christi – Yhesus – und erklingt bereits seit 1480, dem Geburtsjahr Margaretes von Österreich. Innen zeugen Wappenschilde von der Kapitelversammlung des Ordens vom Goldenen Vlies im Jahr 1491. Den Vorsitz der Versammlung führte der damals knapp 13-jährige Philipp der Schöne, der Bruder Margaretes. 

Der Blick schweift weiter auf die um den Grote Markt (Großer Marktplatz) versammelten historischen Gebäude aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, erbaut im Stile der Renaissance und des Rokoko. Auch das sogenannte Haus von Köln (Huis van Keulen) steht dort (Nr. 26), möglicherweise auch ein Entwurf von Rombout II. Keldermans, dem Mechelener Stadtarchitekten, der so viele Spuren hinterlassen hat. Das Haus datiert aus dem frühen 16. Jahrhundert, der Zeit von Margarete von Österreich. 

Grote Markt - Mechelen

Nicht zu vergessen auch das Rathaus mit der Tuchhalle aus dem 14. Jahrhundert auf der einen Seite und dem Palais des Großen Rats auf der anderen. Der Rat kam dort jedoch nie zusammen, denn dieser Flügel wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – nach Entwürfen von, wie sollte es anders sein, Keldermans und versehen mit neugotischen Schnörkeln. Besonders interessierte Besucher treten näher und gehen an der zur Befferstraat gelegenen Seite zwischen den 36 Medaillons auf die Suche nach den Bildnissen der burgundischen Herzöge. Sie alle sind dort zu finden, von Philipp dem Kühnen, dem ersten Herzog, bis hin zu Philipp dem Schönen, um 1500 burgundisch-habsburgischer Landvogt der Niederlande. 

© BVL / MEER

St.-Rombouts-Kathedrale und -Turm
Onder-den-Toren 12, Mechelen
Nur der Besuch des Turm ist kostenpflichtig.
www.visitmechelen.be/de (Öffnungszeiten)

 
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