Liebe Flandern Freunde, Liebe Besucher,

um die Sicherheit von Einheimischen wie auch Besuchern zu gewährleisten und die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat die belgische Regierung entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Die aktuellen Informationen dazu finden Sie hier:

COVID-19 | Informationen über Maßnahmen und Einschränkungen in Belgien
Deutschland – Auswärtiges Amt
Österreich - Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Vom 1. August an muss jeder, der für mehr als 48 Stunden nach Belgien einreisen möchte, innerhalb von 48 Stunden vor der Ankunft ein Einreiseformular ausfüllen.

Wir freuen uns darauf, Sie so bald wie möglich wieder mit der gewohnten Gastfreundschaft in Flandern begrüßen zu können.

Auf bald und passen Sie gut auf sich auf.
Ihr Team von VISITFLANDERS.

Ieper (c) Westtoer

aus der Sicht von Bart Van Loo, Autor von Burgund: das verschwundene Reich

Ypern

Lakenhallen

1. Tuchhalle

Dank Entwaldung, Trockenlegung und der guten organisierten Nutzung befahrbarer Wasserstraßen konnte die Grafschaft Flandern rasend schnell verstädtern und zur am dichtesten besiedelten Region Westeuropas werden. Um 1200 lebte ein Viertel der Bevölkerung in Städten und lagen die Städte höchstens einen kleinen Tagesmarsch – etwa fünf Stunden zu Fuß – voneinander entfernt. Diese Nähe war ohnegleichen in Europa. In der ersten Hälfte des darauffolgenden Jahrhunderts zählte Ypern 30.000 bis 40.000 Einwohner, Brügge 45.000 und Gent über 60.000. Diese drei Städte waren die bei weitem größten Zentren.

Die Stadtbewohner schämten sich nicht für ihren Reichtum. Und so wurde in Ypern im Jahr 1230 der Grundstein für die monumentale Tuchhalle und den Belfried gelegt. Die Tuchhalle kann man getrost als weltliche Kathedrale betrachten. Mit ihr zeigten die Yperner, dass ganz buchstäblich niemand über sie hinaus kam. Das hier massenproduzierte und gehandelte Tuch hatte nichts zu tun mit Bett- oder Tischzeug, sondern war ein dank mehrerer Bearbeitungsschritte sehr weicher Wollfilzstoff in den schönsten Farben, aus dem äußerst strapazierfähige, luxuriöse Mode gemacht wurde.  Ab dem 15. Jahrhundert bekam das teure Tuch aus Ypern aber immer mehr Konkurrenz von kleineren, weniger fein arbeitenden und deshalb günstigeren Tuchherstellern. Im 17. Jahrhundert verschwand die Tuchproduktion vollständig aus Ypern.

Im 15. Jahrhundert sollte die eindrucksvolle Tuchhalle allmählich viel zu groß werden. Eine Wirtschaftskrise, mehrere Pestepidemien und eine fürchterliche Belagerung hatten die Einwohnerzahl bis 1491 auf 7600 reduziert. Doch die Tuchhalle und ihr Belfried sollten das stolze Symbol von Ypern bleiben und nach ihrer Vernichtung im ersten Weltkrieg bis ins kleinste Detail wiederaufgebaut werden.  

© BVL / MEER

Grote Markt, 8900 Ypern
www.toerismeieper.be/de

Ieper, Stadsomwalling (c) Westtoer

2. Stadtmauer

Die sogenannte burgundische Festungsmauer wurde zwischen 1388 und 1409 hochgezogen. Baubeginn war unter Philipp dem Kühnen, doch erst dessen Nachfolger Johann Ohnefurcht konnte die Mauer aus bearbeitetem Backstein mit ihren hohen Türmen bewundern. Durch den Erfolg der Tuchindustrie waren im Laufe des 13. Jahrhunderts einige neue Viertel (Vorstädte) entstanden, die am alten Stadtkern lagen wie Ferkel an ihrer Muttersau.

Kurz nach der Sporenschlacht von 1302 erhielt Ypern mit der sogenannten Uterste Veste eine neue, viel weitreichendere Umwallung, die auch die Vorstädte umschloss. Das Wachstum hin zu einer vollwertigen Großstadt fand ein jähes Ende, als die Engländer, unterstützt von Genter Stadtmilizen, am 9. Juni 1383 mit einer neunwöchigen Belagerung der Stadt begannen und damit eine merkwürdige Episode des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England einläuteten. Die Flamen und insbesondere die Stadt Ypern mit ihrer blühenden Tuchindustrie saßen nun zwischen allen Stühlen: Einerseits waren sie dem französischen König in feudaler Treue verbunden, andererseits war die englische Wolle wichtig für die Tuchindustrie. Als die erweiterte Stadtmauer sich als zu umfangreich zum Verteidigen erwies, zogen sich die Yperner allesamt hinter die rund um den alten Stadtkern liegenden Festungsmauern aus dem 13. Jahrhundert zurück.  

Während der fürchterlichen Belagerung wurden die außenliegenden Stadtteile vollständig vernichtet. Doch die ausgehungerten Bewohner Yperns gaben nicht auf. Dank einem Kanonenmeister aus Oudenaarde gelang es ihnen rechtzeitig, ihre Bewaffnung zu verstärken, und konnten sie das feindliche Angriffsfeuer nun außer mit Pfeilen auch mit Kanonenkugeln aus Brabanter Stein beantworten. Selbiger Kanonenmeister versah die Stadtmauern an strategischen Orten mit Kesseln, gefüllt mit kochendem Schwefel, Pech und Öl. Beim Versuch, die Schanzen zu erklimmen, ergoss sich das heiße Gemisch über die feindlichen Soldaten. Erst am 10. August 1383, als die versprochenen französisch-burgundischen Truppen im Anmarsch waren, zogen sich die Engländer und Genter zurück. Doch noch heute findet an jedem ersten Samstag im August eine Dankesprozession mit dem Bildnis der Heiligen Jungfrau von Thuyne statt. Im Gedenken daran, dass durch die inbrünstige Anrufung der Mutter Gottes die Stadt einst von den Engländern und den ihnen getreuen Gentern befreit wurde. Die Stadt wurde gerettet, die Wirtschaftskraft von Ypern war jedoch für immer gebrochen.

Nachdem die spanischen Habsburger die burgundischen Befestigungen im Laufe des 17. Jahrhunderts bereits verstärkt hatten, sollte der französische Marschall und Baumeister Vauban den Stadtwall der Burgunder ab 1678 einer gründlichen Erneuerung unterziehen. So weit möglich, vor allem im Süd- und Nordwesten der Stadt, erhielt er aber Teile der bestehenden Befestigungsanlage. 

© BVL / MEER

www.toerismeieper.be/vestingroute-nl

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